Schrittmacher für die Speiseröhre

Neuartige Operationsmethode am Haus Ebern der Haßberg-Kliniken durchgeführt

Eine nicht alltägliche Operation wurde am Donnerstag im Haus Ebern der Haßberg-Kliniken von Oberarzt Dr. Mohammad Dawud aus der Chirurgie des Krankenhaus Ebern in Zusammenarbeit mit Dr. med. Tillman Deist vom MVZ- Innere Medizin- Gastroenterologie in Ebern an drei Patienten durchgeführt. Sie bekamen eine Art Muskelstimulator für den Schließmuskel zwischen Speiseröhre und Magen eingesetzt.

Neuartige Operationsmethode am Haus Ebern der Haßberg-Kliniken durchgeführt

Ebern, 21. Juni 2018

Eine nicht alltägliche Operation wurde am Donnerstag im Haus Ebern der Haßberg-Kliniken von Oberarzt Dr. Mohammad Dawud aus der Chirurgie des Krankenhaus Ebern in Zusammenarbeit mit Dr. med. Tillman Deist vom MVZ- Innere Medizin- Gastroenterologie in Ebern an drei Patienten durchgeführt. Sie bekamen eine Art Muskelstimulator für den Schließmuskel zwischen Speiseröhre und Magen eingesetzt.

„Man muss sich das wie bei einem Fußballer vorstellen“, erläutert Dr. Tillman Deist, Facharzt für Innere Medizin-Gastroenterologie am Medizinischen Versorgungszentrum Ebern, den Effekt der Operation, die am Donnerstag erstmals in der Region im Haus Ebern der Haßberg-Kliniken durchgeführt wird. „Da wird nach einer Oberschenkelblessur der Muskel mit Schwellstrom behandelt, um ihn wieder aufzubauen. Genauso macht es das Stimulationssystem Endostim ® an der Speiseröhre.“  Das Stimulationsgerät mit Batterie wird wie bei einem Herzschrittmacher unter die Haut implantiert.


Drei Patienten kamen am Vormittag unters Messer. Sie leiden alle an chronischem Sodbrennen. „Der Abschluss vom Magen zur Speiseröhre funktioniert nicht mehr“, erläutert Dr. Tillmann Deist und nennt die Ursachen. „Zum einen klafft der Durchtritt durch das Zwerchfell. Zum anderen arbeitet der untere Speiseröhren-Schließmuskel nicht mehr richtig.“ Dadurch schafft es die untere Speiseröhre nicht mehr, den Rückfluss von Säure aus dem Magen möglichst schnell wieder zu unterbinden und rückgängig zu machen. Die Folgen kennt wohl ein jeder: Saures Aufstoßen und ein brennender Schmerz hinter dem Brustbein. „Wenn diese Symptome langanhaltend oder gar dauerhaft auftreten und gar die Schleimhaut der Speiseröhre in Mitleidenschaft gezogen wird, dann spricht man von einem chronischen Reflux.“ Der sorgt für eine deutliche Beeinträchtigung der Lebensqualität. Säureblocker sind dann meist eine gute Therapie. Wem sie vollständig helfen, der braucht keine weiteren Maßnahmen.


 „Diese Säureblocker sind zwar recht gut verträgliche Medikamente“, sagt Dr. Tillmann Deist. „Sie sind aber momentan nicht ganz zu Recht in die Kritik geraten. Und natürlich ist es nicht jedermanns Sache, sein Leben lang Tabletten einnehmen zu müssen.“  Viele Patienten haben, das musste sich die Ärzteschaft in den vergangenen Jahren erst eingestehen, trotz der Säureblocker weiterhin Beschwerden. In diesem Fall sind dann zunächst weitere Untersuchungen über eine Magenspiegelung hinaus erforderlich, zum Beispiel eine Messung der Säureexposition in der unteren Speiseröhre über 24 Stunden durch eine kleine Sonde. Eine solche sorgfältige Diagnostik, wie sie am MVZ Innere Medizin- Gastroenterologie in Ebern durchgeführt wird, kann dann Patienten erkennen, die am meisten von einer Operation profitieren würden.
Zum Beispiel müssen Patienten mit einem sehr weit klaffenden Durchtritt durch die Speiseröhre durch eine schon seit 20 Jahren existierende etwas aufwändigere Methode operiert werden. Dass sie dann später ohne Säureblocker auskommen, ist nicht sicher.


Mit der Operations-Methode, die in Ebern künftig angewendet wird, ist die Chance auf eine Zukunft ohne Medikamente und Reflux ungleich größer. Der große Unterschied zu den „alten“ Operationen ist der, dass die Patienten neben einer Verengung des Zwerchfellbruchs mit ein bis zwei kleinen Stichen auch eine Art Schrittmacher für den Speiseröhren-Schließmuskel eingesetzt bekommen. Dazu wird eine Batterie in die Bauchhaut in eine Tasche implantiert. Von dieser Batterie mit Impulsgenerator werden zwei Kabel in die Bauchhöhle eingeleitet und die Elektroden außen auf die untere Speiseröhre aufgesetzt. „Diese neue Operation ist viel kleiner, kürzer und für den Patienten harmlos. Die Speiseröhre muss weder geöffnet werden noch wird sie verletzt.“  Vier Tage müssen die Patienten nach dem Eingriff im Krankenhaus bleiben.
Seit einigen Jahren laufen Langzeitstudien, die sich mit dem Effekt, der durch den „Schrittmacher“ erreicht wird, beschäftigen. Die ersten Ergebnisse zeigen, dass ein Großteil der Patienten keine Säureblocker mehr braucht und die Lebensqualität deutlich steigt. Auch die drei am Donnerstag operierten Patienten werden mit ihren Ergebnissen in eine Langzeitstudie eingebracht.


„Durch die Behandlung des Schließmuskels mit Reizstrom wird dieser dauerhaft gestärkt“, nennt Dr. Tillman Deist eine weitere positive Folge. Der Muskelzuwachs ist in Studien nachgewiesen.  Auch kann der Grad der Stimulation auch noch Monate und Jahre nach der Operation den Bedürfnissen der Patienten angepasst werden. Angst vor den Stromstößen müsse man nicht haben. „Man spürt sie natürlich nicht.“
Unterstützt wurde Oberarzt Dr. Mohammad Dawud bei den drei jeweils eineinhalbstündigen Operationen von einem echten Experten, Professor Dr. Dietmar Stephan, Chirurgie-Professor aus Siegen, der die Eingriffe supervidiert. „Er ist der erfahrenste Mediziner auf diesem Gebiet in Deutschland, niemand hat mehr Operationen mit dem Endostim System gemacht“, lobt der Eberner Mediziner seinen Kollegen.  

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